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Törnbericht von unserem Wiesbadener Club-Mitglied Walter Goertz (MY Gustav)
EINMAL MÖNKEBUDE UND ZURÜCK
Mönkebude, wo liegt das denn? Ganz einfach, am Stettiner Haff, ziemlich weit im Osten der Republik, an der Ostsee, fast an der polnischen Grenze, südlich der Insel Usedom, auf der Festlandseite.
Von Wiesbaden aus sind es 750 km mit dem Auto ( 1 Tag) und ca. 1170 km mit dem Boot (12 Tage). Warum dann mit dem Boot gefahren wird, ist auf die Schnelle nicht zu erklären. Bild 21.
Gisela (mein Weib) und ich kennen M-B seit letztem Jahr anlässlich unserer Autotour nach Zingst über Kröslin (Besuch bei Helga und Ralf B.), Herbert R. hat von der netten Hafenmeistern Anette Schmidt und Reinhard Grünberg erzählt, und Hairy, Manfred und Christoph (Identifikation später) wissen jetzt auch, wo M-B liegt.
Den Namen hat M-B (‚Haus , Bude der Mönche’) von den Mönchen des ehemaligen Klosters Grobe auf Usedom im 12. Jahrhundert erhalten.
Gem. den Aufzeichnungen lebten die Mönche dort vom Fischfang (wird heute noch ausgeübt), der Holzfällerei (bis zum 2. Weltkrieg am Ort) und der Jagd. An der Poststrasse von Anklam über Ueckermünde nach Stettin gelegen, ent-wickelte sich neben Handel und Handwerk auch die Kahnschifferei stark. Im Heimatmuseum entdeckten wir hierzu eine überraschende Verbindung zum MCM nach Schierstein mit einer leibhaftigen Person, die wir auch trafen. Dazu später mehr.
Im letzten Jahr war mein Weib nicht sonderlich begeistert von der Idylle M-B: ‚Zu einsam’ . Zingst mit langem Meerestrand war mehr ihr Traum. Nach 14 Tagen Fahrrad-Urlaub auf Fischland, Zingst und Darss eine neue Erkenntnis: ‚Kein Urlaub hier in der Hochsaison’.
Damit war M-B Favorit, was sich in der Rückschau als ausgesprochener Glückstreffer zeigte.
Uns gefiel das Nebeneinander von relativ kleinem Hafen (80 Liegeplätze zu vernünftigen Preisen), Sandstrand in 100 m Entfernung, einem kleinen Ort (ca. 800 Einwohner) mit 4 Kneipen, einer Eisdiele (35 Cent der Ballen), einem Rewe-Markt und einem relativ gut ausgebauten Radwege-Netz bis weit in das Hinterland.
Durchgeführt werden sollte die Fahrt, wie 2003 zur Müritz, mit einer ‚Überführungs-Crew’ für Hin- und Rückfahrt und einem längeren Aufenthalt vor Ort mit Gisela, Auto und Fahrrad, um Land und Leute besser kennen zu lernen.
Nach telef. Gesprächen im Frühjahr 05 mit dem Amt Ueckermünde, dem öffentlichen Betreiber des Hafens, über Art des Liegeplatzes (an der Spundwand, weil ‚Gustav’ mit 4.30 m Breite in keine Box passt) und dem moderaten, monatlichen Liegegeld, ging es am 13.06.05 mit Hairy, Manfred und mir ( alle VHS- Turner, Gesamt-Alter: 207 J. !) in Schierstein bei sommerlichen Temperaturen los.
1. Tag bis Mondorf, mit 1 Maschine meistens, ruhiger Hafen, Kneipen in der Nähe. 8,15 h, 154 km, €13.- Liegegeld (LG)für 12.5m.
2. Tag bis Oberhausen (Rhein-Herne-Kanal, 5 Schleusen, fast immer auf einer Seite Schwimmpoller), unruhiger, neuer Hafen (Strasse, Zug), Vergnügungsmeile in der Nähe. 7,45 h, 131 km, € 5.- LG, ‚weil der Hafen noch nicht ganz fertig ist!’
3. Tag bis Marina Fuestrup am Dortmund-Ems-Kanal ( Dammbruch bei Olfen am 01.10.05 s. Rückfahrt; Schleuse Münster), ruhige Anlage im Seitenarm, mit Kneipe. Dort lag das ehemalige Holz-Flugzeugrettungs-Boot vom Wiesbadener YC. 10,45 h, 100 km, € 10.- LG.
4. Tag bis zum Hafen des MYC Lübbecke am Mittelland-Kanal, ruhig, Clubbewirtung (‚es gab Heringe) 8,5 h, 123 km, € 12.- LG.
5. Tag ML-Kanal (Schleuse Anderten)bis zum Hafen des MYC Sehde, größere Boote liegen im ML-Kanal, nette Leute. ‚Väterchen Rudi’s’ ‚Hildegard’ liegt immer noch bei km 120 (nicht mehr auf der Rückfahrt). S. Bild 1. 8,45 h, 105 km, € 12.50 LG.
6. Tag ML-Kanal (Schleuse Sülfeld, Ausfahrt Ost , H= ca. 4.40 m ! ) bis zum Hafen des MBC Wolfsburg, ruhiger Hafen, ‚Italiener’ am Hafen, uriger Hafenmeister, Besichtigung der VW-Autostadt ist ein ‚Muss’. s. Bild 2 u. Bild 3. 6,45 h, 60 km, € 12.50 LG.
7. Tag ML-Kanal mit den niedrigsten Brücken (ca. 4.40 m) im alten Teil ( ab km 260) vor der neuen Elb-Trogbrücke, s. Bild 4 (Richtungsverkehr; Sportboote ‚sollen’ nicht allein fahren), Schleuse Hohenwarte, s. Bild 5 , 12.5 m Hub, Schwimmpoller, bis km 349 Elbe- Havel-Kanal, s. Bild 6, nach Schleuse Zerben. 9,30 h, 103 km.
8. Tag E-H-Kanal, Untere Havel-Wasserstrasse (Schleuse Wusterwitz, Vorstadtschleuse Brandenburg), über die Havel zum Yachthafen Potsdam. Die Gewässer ab Plauer See sind riesig und einen eigenen Urlaub wert, s. Bild 7. Das Anlegen an einem städtischen Steiger in Genthin, um bei Lidl einzukaufengeld wurde von der WaSchPo mit € 10.- statt € 20.- (weil wir so geständig waren) bestätigt. Die Stadt Brandenburg kann durch den Silokanal (schnelle Verbindung) oder die Niederhavel (im Bereich der Stadt hübscher) passiert werden. Die Marina liegt 10 min von Park und Schloss Sanssouci. 8,45 h, 82 km, € 15.50 LG
9. Tag durch die Glienicker Brücke (Austauschort der Spione im kalten Krieg), auf der Havel an der Pfaueninsel, am Grunewald vorbei nach Spandau. Tanken bei Bunkerboot Aral 13, sehr preiswert.
Ab Schierstein: 800 l, 70 Maschinen-Std., 884 km.
Über die Spree, Schleuse Charlottenburg, mitten durch das Regierungsviertel, Schleuse Mühlendamm, ‚rechts’ ab zum Wasser-Rastplatz an der Fischerinsel, Nicolaiviertel, ca. 3 km vom Gendarmenmarkt. Der Rastplatz liegt versteckt hinter dem Museumshafen, nach einer Bogenbrücke, H= ca. 3.25 im Scheitel, s. Bild 8 . Während der Durchfahrt drehte ‚Gustav’ mit dem Heck seitwärts, der Steuermann kam, da abgetaucht, nicht mehr an die Hebel, ein neues Ankerlicht war fällig. Der Liegeplatz ist ‚offiziell’ frei für 24 h, ruhig und sicher (lt. Anwohner). Keine Versorgung, aber alle Geschäfte und Kneipen (‚Fischerstuben’) in der Nähe. S. Bild 9. 7,0 h, 44 km.
10. Tag. Wir machten Ausflüge zum Potsdamer Platz, Gendarmenmarkt, eine Stadtrundfahrt mit Doppeldecker-Bus (oben offen; ,die mit der persönlichen Ansprache’) und waren bei den Beachvolleyball-Meistern. Ein Besuch der Chocolaterie am Gendarmenmarkt ein’ Muss’. S. Bild 10.
11. Tag. Über Mühlenberg-Schleuse die Spree wieder abwärts und über den Westhafen, Schleuse Plötzensee (Gefängnis, Gedenkstätte), Spandauer Schiffahrtskanal auf die Havel-Oder-Wasserstrasse. Über Schleuse Lehnitz, am Abzweig Malzer Kanal Richtung Müritz (hier bog ‚Gustav’ 2003 ab) vorbei, weiter Richtung Oder mit regem, fast ausschließlich polnischem Schiffsverkehr im Einbahn-Verkehr (Bild 12). Das Ansprechen der Berufsschiffahrt, wie auch auf den anderen Kanälen, auf Funk-Kanal 10, vor dem Überholen, wird meistens freundlich beantwortet (auch von der WaschPo, die uns hier darauf-hinwies, dass das 6 km/h- Gebot bis Finow auch für uns gilt). Brückenhöhen ca. 4.20 m bei Eberswalde. Im Schiffshebewerk Niederfinow aus den Jahren 1927 bis 34 schwebt ein 4300 t-Trog , der an 256 Stahlseilen mit Gegengewichten hängt, in 5 Minuten 36 m in die Tiefe (Bild 13 und 14). Übernachtung im Yachthafen Oderberg, laut (Fabrik nebenan, bis 24:00 und ab 6:00), dazu teuer. 11 h, 106 km, € 17.00 LG.
12. Tag. Aus- und einklariert in der Schleuse Hohensaaten-Ost. Deutsche und Polen wollen nur die Personalausweise sehen. Schneller geht es am Grenzposten Widuchowa, km 703 auf der Ost-Oder. Hier sitzen der Pole und der Deutsche im Sommer am Ufer. Die Oder bietet keinen besonderen Reiz, arme Gegend, kaum Schiffsverkehr (Bild 15). Wir fuhren über die Gr. Reglitz ( Eisenbahn-Brücke bei km 733, H = ca. 3.40 m im geschlossenem Zustand, je nach Wasserstand), an den Yachthäfen von Pogon (n. Auskunft gut, etwas weit nach Stettin), über die Möllner Fahrt bis zur Marina Interster (km 73) der Oder, südlich von Stettin. Auch nachts bewacht, 20 Min. mit der Straßenbahn ins Zentrum. Hier fahren jetzt schon ganz schön große Schiffe (Bild 16). Die Altstadt ist teilweise wieder hergestellt, die alte Uferpromenadeeindrucksvoll. Gute und preiswerte Restaurants (Soljanka, Hecht ‚weiss’) am Ufer der West-Oder. 8 h, 102 km, € 13.- LG.
13 Tag. Richtung Stettiner Haff, über ein gut betonntes Fahrwasser, ausklarieren in Ziegenort mit Boots-Durchsuchung und Weiterfahrt zur Grenztonne 16/17. Dem polnischen Grenzboot waren wir avisiert, der Zöllner winkte uns weiter zum deutschen, die Beamten dort begnügten sich auf die Entfernung mit den hochgehaltenen Grenzerlaubnis-Dokumenten (ausgestellt vom BGSAmt See Neustadt). Der Wetterbericht (per SMS über 0431/5606668 anmelden) hatte 2 Windstärken aus NW gesprochen, vorort sah es noch ruhiger aus (Bild 17), eine Viertelstunde später war an Fotografieren nicht mehr zu denken, und 2 h später liefen wir zum Erstaunen aller schon vor einiger Zeit zurückgekehrten Segler in den Hafen Mönckebude glücklich ein(Bild 18). ‚Gustav’ und seine Besatzung hatten sich wacker geschlagen, der ausgesuchte Ausweichhafen Ueckermünde musste nicht angelaufen werden. Bewährt hat sich hierbei die auf einem PDA mitlaufende Pocket Navigator-Software. 6 h, 72 km.
Ab Wiesbaden-Schierstein 1090 l Diesel, 93 Maschinen-Std., 13 Tage Reisedauer mit 1.5 Ruhetagen.
Verwandte Unterlagen: Rheinatlas, Frenzel: Vom Rhein zur Nord- und Ostsee (älter), Binnenführer DMYV 04-06, Band 1-4 Sport-Schiffahrtskarten Binnen und Kombipack ‚Rund Rügen’, auch mit elektronischen Seekarten des NV-Verlages Arnis.
Nach 9- stündiger Heimfahrt der Überführungs-Crew 1 mit der Bahn, 14 tägiger Arbeit zuhause, erlebten wir nach Anreise mit dem Auto einen 5 wöchigen, abwechslungsreichen Urlaub in Mönckebude mit insgesamt gutem Wetter. Wir machten Ausfahrten mit dem eigenen Boot und den Liegeplatz-Nachbarn Annerosel und Lothar (‚Ur-Ossis’ im besten Sinne, mit denen wir viel Spaß hatten), mit dem Zeesenboot ‚Ghost’ von Alwin Harder. Wir hatten Besuch von Helga und Ralf B. mit ihrer ‚Hera’ (beide brachten wir wieder zum Fahrradfahren, ‚wie lange?’) und führten Auto-Fahrradtouren nach Usedom, an die Peene, und das Umland bis an die polnische Grenze (Altwarp) durch.
Mehr davon und von der Heimfahrt mit Christof Ende September, und der Fahrtunterbrechung in Köln-Mühlheim bei der Fa. Pannenbäcker (‚nomen ...’) erzähle ich im Teil 2.
Vorab aber die Erklärung zur Verbindung Mönckebude-Schierstein. Im auf Schiffahrt ausgerichteten Heimatmuseum entdeckten wir auf einem alten Foto (Bild 19, 2 v. rechts Vater K. ) einen Namen und ein Gesicht, das uns bekannt vorkam: Christian Klostermann. Sein Sohn (1 v. rechts) war in den 90- iger Jahren Clubwart des MCM und im Nebenberuf Bootsschreiner(Rudi T. hatte ihn bei seinen ersten Reisen gen Osten entdeckt). Er stammt aus M-B, seine Mutter lebt dort noch als Metzgerswitwe im eigenen Haus mit ihrem anderen Sohn, der noch die Stellnetzfischerei in M-B betreibt. Die Geschichte geht weiter, Alwin Harder, der Zeesenboot-Besitzer (eine Ausfahrt mit dem alten Fischerboot der Bodden-Gewässer ist ein ‚Muss’) entpuppte sich als alter Segel-Spezi von Christian K. und Nachrichtenträger in der Weise, dass Klostermann (Bild 20 rechts )eines Tages bei ‚Gustav’ anklopfte. Er schreinert jetzt selbständig in Barth und war zu Besuch bei seiner Mutter. Letztes Jahr hatten wir ihn Anfang September in Bodstedt, südlich Darss, bei der jährlich stattfindenden Zeesenboot-Regatta gesehen.
Ohne Gewähr für alle Angaben,
Walter Goertz,
Okt. 2005
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