Tipps für die Selbstmontage von Flüssiggasanlagen an Bord von Booten

Vorbemerkung

Diese Tipps sind für den handwerklich geübten Bootseigner gedacht und ersetzen nicht die vorgeschriebene Sachkundigenprüfung gemäß Prüfvorschrift G 608 vor Erstinbetriebnahme, nach Änderungen oder nach Ablauf von zwei Jahren. Die Selbstmontage kann jedoch, wenn sie mit Sorgfalt und ohne Zeitdruck durchgeführt wird jeder Sachkundigenprüfung standhalten. Die hier aufgeführten Ratschläge haben nicht den Anspruch vollständig zu sein und werden aus Ihnen keinen geprüften Sachkundigen gem. G608 machen, aber mit den im Vorgespräch ausgewählten und von mir gelieferten Komponenten  sind Sie auf der sicheren Seite. Vor Augen halten sollte man sich, dass Flüssiggas schwerer als Luft ist, also nach unten sinkt und, da die Explosions-(besser Verpuffungs-)Gefahr nur in einem Sättigungsbereich von +- ca 6% zu Umgebungsluft besteht ,  sind auch, oder gerade kleine Leckagen zu vermeiden. Aber keine Angst, nur Respekt! Auch die anderen Energiearten an die man sich so gewöhnt hat, wie Starterbatterien, Benzin , Spiritus, an Bord befindliche Reinigungsmittel und nicht zu vergessen der Landstrom sind auch „gefährlich“. Wenn sich während der Montage Fragen stellen, rufen Sie mich an.

 

Beim Gerätekauf den Betriebsdruck beachten. Bei vorhandenen, bereits abgenommenen Anlagen kann der Betriebsdruck 30 oder 50 mbar betragen (siehe Typenschilder auf den Geräten). Neu einzubauende Anlagen müssen seit 2002 ausschließlich für 30 mbar ausgelegt sein.

 

Gasflaschen und deren Aufstellung

 

Die üblichsten Gasflaschen an Bord sind die blauen Camping-Gaz Flaschen mit 1,85 kg, H18 cm, 20,5 cm und 2,8 kg, H26 cm, 20,5cm bzw. die grauen Flaschen mit 5 kg,  H 50 cm,  22,5 cm und 11 kg, H 61 cm, 29,5 cm. Diese Flaschen werden leer gegen voll getauscht, d.h. TÜV  und Instandhaltung führt das Füllwerk durch. Andere auf dem Markt befindliche Flaschen  (Rote Pfandflaschen, Alu-, Kunststoff-,  Tankflaschen, Flaschen mit Füllstandsanzeige) haben mit Sicherheit ihre spezifischen  Vorteile, aber man muss  sie füllen und nach 10 Jahren TÜV abnehmen lassen. Blaue und graue Flaschen werden einfach beim Campinghändler oder im Baumarkt getauscht. In den blauen Flaschen befindet sich Butangas – Vorteil: Kleine Flaschenmaße, auch im Ausland überall zu tauschen – Nachteil: Zumindest in Deutschland ist das Gas teuer (ist aber wenn nur damit gekocht wird zu vernachlässigen) und unter 0 Grad C kommt kein Gas mehr aus der Flasche. In den grauen Flaschen ist Propangas – Vorteil: Billig und funktioniert bis – 42 Grad – Nachteil: Größere Flaschen. Graue Propanflaschen besitzen ein Entnahmeventil mit eingebautem Sicherheitsventil, welches die blauen Camping-Gaz Flaschen nicht besitzen, daher muss ein Sicherheitsentnahmeventil auf die Flasche vor den Regler geschraubt werden. Beim Tausch nicht vergessen wieder abzumontieren. Sicherheitsventile öffnen oberhalb eines bestimmten Drucks (Propan ca. 28 bar/Butan ca. 14 bar), der nur bei einem Brand entsteht und lassen das Gas ausströmen – aus diesem Grund  explodiert eine vorschriftsmäßige Gasflasche nicht. Der Aufstellort der Flaschen kann ein Kasten an Deck sein, wenn im Umkreis von 50 cm kein Niedergang,  Luke  oder sich eine Zündquelle befindet. Die Badeplattform ist ein hervorragender Aufstellort. Wenn die Flasche(n) (1 Betriebs- und 1 Reserveflasche) in einem vom Deck und nur von oben zugänglichen Schacht (Kasten) aufgestellt werden sollen, muss er gegenüber dem  Bootsinneren dicht sein und an der Unterseite mit einem Ablauf , in der Praxis von mindestens 19 mm (Borddurchlass und Schlauch) versehen sein. Der Ablauf muss fallend verlegt sein und mindestens 7,5 cm über der Wasserlinie (beladen) enden. Der Kasten sollte einen dicht schließenden  Deckel haben. Zündquellen (Lüsterklemmen, Relais etc.) haben natürlich hier nichts zu suchen. Ein Aufkleber mit Angabe des Betriebsdrucks muss am Gaskasten angebracht sein. Eine Materialvorschrift gibt es nicht. Er kann aus Stahl, Kunststoff oder beschichtetem Holz sein.

 

Gasdruckregler

 

Nur CE geprüfte, für Boote zugelassene Regler verwenden. Achtung!! Keine Camping- oder Haushaltsregler einbauen. (Ich sehe diese Haushaltsregler sehr oft im Freizeithandel – wofür auch immer? Und dann natürlich auch an Bord!!) Auch, wenn der auf den Bootsreglern aufgedruckte Hinweis “Nicht in geschlossenen Räumen verwenden“  bisweilen etwas verwirrt, das ist der richtige Regler. Gasregler sind Verschleißartikel  und nach max. 6  Jahren zu erneuern. Mit dem unter Umständen vorhandenen Manometer kann man die Dichtheit der Anlage prüfen. Alle eventuell vorhanden Ventile öffnen, Geräte schließen, Flaschenventil kurz öffnen und wieder schliessen – nach ca. 10-15 Minuten Flaschenventil wieder öffnen – wenn sich der Zeiger nicht bewegt kann man davon ausgehen, dass die Anlage dicht ist. Eine Sachkundigenprüfung ersetzt das nicht (hier wird mit höherem Druck geprüft) und der Füllstand ist auch nicht feststellbar. Bei Camping-Gaz Flaschen funktioniert die Prüfung aufgrund des geringen Flaschendrucks nur bedingt.     

 

Schlauchleitung(en)

 

Nur zugelassene und fest verpresste Schläuche einbauen. Schläuche  sind wie Regler Verschleißartikel, also öfters prüfen und nach max. 6 Jahren erneuern. Erlaubt ist ein Schlauch von max. 40 cm im Gaskasten vom Regler zum Rohrleitungssystem und ein weiterer Schlauch (hier gibt es widersprüchliche Veröffentlichungen von 40 cm bis 1 m / in der G608 Prüfbescheinigung steht 50cm!) von max. 50cm, oder so kurz wie möglich für den Anschluss eines kardanisch aufgehängten oder schwenkbaren/ ausziehbaren Kochers. Alles Andere, auch wenn es schwer ist  muss fest mit Rohr angeschlossen werden.

 

Rohrleitungen und Rohrverbindungen

 

Erste Wahl an Bord ist zugelassenes Kupferrohr. Es ist leicht zu verlegen und korrosionsbeständig. Ganz wichtig ist es Messing-Verstärkerhülsen bündig in das Ende des Kupferrohrs ein zu stecken. Diese Hülsen verhindern, dass sich das Rohr im Bereich der Verschraubungen zusammendrückt und undicht wird. Kupferrohr nicht mit dem Rohrschneider ablängen, sondern absägen – das Rohr wird so nicht gequetscht – und sorgfältig entgraten   Das Einbringen von Sägespänen oder Ähnlichen in das Rohrsystem ist unbedingt zu vermeiden! Kupferrohr muss mindestens alle 50 cm mit einer Kunststoff- oder Metallschelle mit Gummieinlage spannungsfrei befestigt wird. Es wird Rohr mit 8 oder10 mm  eingesetzt. Den richtigen Durchmesser für ihre Anlage habe ich Ihnen ausgewählt. Sollte die Anlage später um weitere Geräte erweitert werden, sprechen Sie mich an. Die Rohrverbindungen erfolgen mit den mitgelieferten Verschraubungen (Stahl mit Messing-Schneidring niemals Stahl-Schneidring auf Kupferrohr verwenden!) Beachten Sie bitte die Fotos und die Anordnung des Schneidrings! Montieren Sie die Verschraubung erst einmal vor, lösen Sie diese wieder und prüfen den festen Sitz des Schneidringes. Der Schneidring sitzt dann etwa 4 mm vor dem Rohrende und lässt sich nicht mehr drehen. Tragen Sie die mitgelieferte Dichtpaste dünn auf die Verschraubung auf. Eine so hergestellte Verbindung lässt sich bei Bedarf lösen und wieder dicht befestigen. Prüfen Sie eine neue oder wieder hergestellte Verbindung mit einem handelsüblichen Lecksuchspray oder bepinseln Sie die Verbindung mit einfachem Seifenwasser.    

 

Wanddurchführungen

 

Ín vielen Publikationen steht, dass bei  Rohrverlegung durch Schotten immer eine Schottverschraubung verwendet werden muss. Im Gegensatz steht in der Prüfvorschrift G608 unter Punkt 4.3 :  …..Durchtrittsstellen durch geeignete Schutzmittel, z.B. weiche Einlagen, Schottverschraubungen oder Aussparungen zu schützen.

In der Praxis sollte man zwischen Gasschlauch im Gaskasten und dem Rohrleitungssystem eine Schottverschraubung verwenden, so ist eine solide Befestigung  gewährleistet. Im Bootsinneren empfehle ich großzügige Bohrungen oder Durchbrüche anzubringen und die Leitungen ohne die Gefahr einer Berührung  oder  eines Scheuerns spannungsfrei zu verlegen. Im Motorraum bitte keine Verschraubungen, außer eventuell Schottverschraubungen oder Geräteanschlüsse einbauen.

 

Absperrventile

 

Vor jedem Gerät muss ein Schnellschlussventil angebracht werden (keine Handräder!!) Ausnahme: Wenn nur ein Gerät montiert ist und das Gasflaschenventil sich in unmittelbarer Reichweite! befindet reicht das Flaschenventil. Absperrventile müssen beschriftet sein. Praxistipp: Truma Gasfernschaltventil als Hauptventil verwenden. Der Stromverbrauch ist im mA Bereich – tut auch einem Segler nicht weh.

 

Geräte

 

Nur für Bootsbetrieb CE - geprüfte (bei vorhandenen Anlagen DVWG geprüfte) Geräte verwenden. Immer nach den mitgelieferten Montageanleitungen vorgehen. Keine nur für Caravans oder Reisemobile genehmigte Geräte montieren. Geräteanschluss spannungsfrei vornehmen, eventuell einen Dehnungsbogen im Gasrohr vorsehen. Bei Kochgeräten auf  den in der Einbauanleitung des Kochers beschriebenen Hitzeschutz achten.

 

Gaswarngeräte

 

Gaswarngeräte verkaufe ich gerne. Die Geräte haben nur einen Nachteil – sie verbreiten Sicherheit, die nicht unbedingt vorhanden ist. Begründung: Ein Boot hat in der Bilge mehrere Abteilungen. Wo setzt man den Sensor hin? Im Motorraum, an der Gasflasche , unterm Herd? Er sitzt wahrscheinlich immer falsch. Der Benutzer verlässt sich auf das grüne Licht und wiegt sich in Sicherheit. Mein Tipp: Ordentlich montieren, vor Erstbetrieb und alle 2 Jahre Sachkundigenprüfung  durchführen lassen. Von Zeit zu Zeit mittels dem Manometer am Regler auf Dichtheit prüfen (geht mit blauen Flaschen, wie oben erwähnt bei niedrigen Temperaturen nur bedingt).Auch die Zündsicherungen an den Geräten, welche nach dem eventuellen verlöschen der Flamme nach max. 60 Sekunden das Gas absperren sollen, kann jeder selber überprüfen.

 

  Siegfried von Grambusch

Zugelassener Sachkundiger gem. G607 und G608

Postfach 1216    65781 Hattersheim

info@gaspruefer.de www.alles-maritim.de

 Tel. 06190 / 6515   Fax 06190 /735 29                                                 zurück zu “ Gas an Bord”